Der anarchische Eros in Shakespeares
Sonetten
Vortrag von Prof. Dr. Michael Gassenmeier
Während die Mehrzahl der in der Elisabethanischen Zeit entstandenen Sonettzyklen als Nachahmungen der Canzoniere von Petrarca und seiner poetischen und philosophischen Epigonen gelten können, stellen sich die Sonette Shakespeares als anthropologisch hochgradig reflektierte und poetisch beispiellos innovative Auseinandersetzungen mit der platonischen Eroslehre der italienischen Renaissance dar.
Das gilt für die 126 an den beloved boy, den schönen jungen Freund des Dichters, gerichteten Sonette, die mit ihrem Nebeneinander von ästhetischer und erotischer Faszination, von sublimationsbereiter Verehrung und eingestandenem sexuellem Begehren quer zur platonischen Tradition der in den italienischen Texten beschworenen Männerfreundschaften stehen.
Das gilt auch für die an die dark lady, die Geliebte des Dichters, gerichteten Sonette 127—154. In diesen Texten nämlich prägt die den Dichter quälende sexuelle Abhängigkeit von dieser dem zeitgenössischen Schönheits und Tugend ideal radikal widersprechenden Frau den zwischen aggressiver Entlarvung und sarkastischer Selbstentlarvung schillernden Tenor und den von zweideutigen Wortspielen und parodistisch verkehrten petrarkistischen Preisformeln durchwobenen zutiefst subversiven Stil dieser Sequenz.
Ob Shakespeare, wie die Romantiker glaubten, damit sein eigenes Beziehungsproblem zum Thema gemacht hat, wird wohl auch in Zukunft eine offene Frage bleiben. Mit Sicherheit aber läßt sich sagen, daß er mit seinen Texten einen der bedeutendsten Sonettzyklen und einen der profundesten poetischen Beiträge über die Eroslehren und die komplexen Beziehungen der Geschlechter geschaffen hat, die er von einem breiten Spektrum rivalisierender Triebe und Antriebe beherrscht sieht, deren anarchische Potenz die hehren Eroslehren der platonisierenden Renaissance zur Makulatur werden lässt.
Coming soon: ›Soi odda ned soi‹
Klassisches englisches Picknick
Sonntag, 23. August 2009, 11.00 Uhr — 20.00 Uhr
Ebertpark Ludwigshafen [Eintritt frei]
Mit Michael Gassenmeier • Buero für angewandten
Realismus • 1. Kurfürstlich-Kurpfälzischer Polo-Club •
221b Sherlock-Holmes-Club • Musiker und Maler von der Insel und viele andere mehr.
Vortrag von Prof. Dr. Michael Gassenmeier
Während die Mehrzahl der in der Elisabethanischen Zeit entstandenen Sonettzyklen als Nachahmungen der Canzoniere von Petrarca und seiner poetischen und philosophischen Epigonen gelten können, stellen sich die Sonette Shakespeares als anthropologisch hochgradig reflektierte und poetisch beispiellos innovative Auseinandersetzungen mit der platonischen Eroslehre der italienischen Renaissance dar.
Das gilt für die 126 an den beloved boy, den schönen jungen Freund des Dichters, gerichteten Sonette, die mit ihrem Nebeneinander von ästhetischer und erotischer Faszination, von sublimationsbereiter Verehrung und eingestandenem sexuellem Begehren quer zur platonischen Tradition der in den italienischen Texten beschworenen Männerfreundschaften stehen.
Das gilt auch für die an die dark lady, die Geliebte des Dichters, gerichteten Sonette 127—154. In diesen Texten nämlich prägt die den Dichter quälende sexuelle Abhängigkeit von dieser dem zeitgenössischen Schönheits und Tugend ideal radikal widersprechenden Frau den zwischen aggressiver Entlarvung und sarkastischer Selbstentlarvung schillernden Tenor und den von zweideutigen Wortspielen und parodistisch verkehrten petrarkistischen Preisformeln durchwobenen zutiefst subversiven Stil dieser Sequenz.
Ob Shakespeare, wie die Romantiker glaubten, damit sein eigenes Beziehungsproblem zum Thema gemacht hat, wird wohl auch in Zukunft eine offene Frage bleiben. Mit Sicherheit aber läßt sich sagen, daß er mit seinen Texten einen der bedeutendsten Sonettzyklen und einen der profundesten poetischen Beiträge über die Eroslehren und die komplexen Beziehungen der Geschlechter geschaffen hat, die er von einem breiten Spektrum rivalisierender Triebe und Antriebe beherrscht sieht, deren anarchische Potenz die hehren Eroslehren der platonisierenden Renaissance zur Makulatur werden lässt.
Coming soon: ›Soi odda ned soi‹
Klassisches englisches Picknick
Sonntag, 23. August 2009, 11.00 Uhr — 20.00 Uhr
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Mit Michael Gassenmeier • Buero für angewandten
Realismus • 1. Kurfürstlich-Kurpfälzischer Polo-Club •
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